Interview | Ausstellung

„Vielfalt ist ein Geschenk Gottes“

Die Wander-Ausstellung "Opfer rechter Gewalt" gastiert in Wuppertal - Initiator Pfarrer Jörg Wieder im WZ-Gespräch.

Die jüngsten Verbrechen rechter Gewalttäter beschäftigen Politik und Gesellschaft. Bei Morden aus rechtsradikalen Motiven seien seit 1990 fast 200 Menschen getötet worden, heißt es vom Evangelischen Kirchenkreis. Jörg Wieder ist Pfarrer in Wichlinghausen und Initiator der Ausstellung, mit der an die getöteten Menschen erinnert werden soll. Zugleich soll die aus Sicht der Kirche anhaltende Verdrängung rechter Gewalt thematisiert werden. Zu sehen ist die Schau in der Diakoniekirche Elberfeld (26. Februar bis 8. März) und in der Erlöserkirche an der Wichlinghauser Stahlstraße (11. bis 22. März).

Zu weiteren Infos auf der Spezialseite zur Ausstellung.

Herr Wieder, 2018 gab es eine ähnliche Aktion, die WZ berichtete über die Erinnerung an die NSU-Morde. Wer ist aktuell Veranstalter bzw. wie unterscheidet sich die aktuelle Ausstellung?

Pfarrer Jörg Wieder: Einen direkten Zusammenhang gibt es nicht. Aber beide Veranstaltungen werden aus dem Topf des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ finanziert. Beide Ausstellungen setzen sich mit politisch rechts motivierten Tötungsdelikten auseinander. 2018 ging es allein um die Opfer der NSU-Morde, bei unserer Ausstellung geht es um alle Menschen, die zwischen 1990 und 2017 durch rechte Gewalttaten ums Leben gekommen sind - mindestens 183.

Die Ausstellung ist an zwei Orten in Wuppertal zu sehen – warum genau dort?

Wieder: Die Ausstellung ist in der Erlöserkirche in Wichlinghausen und in der Diakoniekirche (Elberfelder Nordstadt) jeweils knapp zwei Wochen lang zu sehen. Das sind beides durchaus Stadtviertel mit AfD-Problematik und rechtem Wähleranteil. Uns ist wichtig: Wir wollen den Menschen mit der Ausstellung auf den Leib rücken.

Wie entstand die Idee?

Wieder: Die Idee entstand nach dem Lübcke-Mord. Die Ausstellung war 2004 bereits in der Alten Synagoge zu sehen. Aufgrund der Aktualität wollten wir die Ausstellung nochmal nach Wuppertal holen.

Hatten Sie sofort Unterstützung für das Ansinnen?

Wieder: Ja, sehr viel sogar. Die Idee fand in den Gemeinden breite Zustimmung. 60 ehrenamtliche Mithelfer zeigen das: Sie decken die Öffnungszeiten ab, führen als Guide durch die Ausstellung oder helfen bei Auf- und Abbau.

Wie läuft die Finanzierung?

Wieder: Finanziert wird die Ausstellung durch Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sowie aus Eigenmitteln vom Ev. Kirchenkreis, der Begegnungsstätte Alte Synagoge und der Ev. Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck. Aber natürlich macht auch die Mitarbeit der vielen Ehrenamtlichen die Ausstellung erst möglich.

Was ist für Sie das Wichtigste an der Ausstellung?

Pfarrer Jörg Wieder

Wieder: In unserer Zeit in Nicaragua haben wir zwei Kinder adoptiert. Rassistische Tendenzen in unser Gesellschaft sind für mich kaum zu ertragen. Ich möchte, dass meine Kinder und alle Menschen - gleich welcher Hautfarbe, welcher Herkunft, gleich welchen Glaubens - sicher und ungefährdet in unserm Land leben können.

Das scheint mehr denn je eine Herausforderung zu sein.

Wieder: Ja, aber man kann und sollte es auch so sehen: Die Vielfalt in unserem Land ist zwar eine Herausforderung und doch auch ein wunderbares Geschenk Gottes. Ich möchte mich für ein buntes Land einsetzen, in dem alle friedlich miteinander leben können.

Gibt es Kooperationen mit Schulen oder Kinder- und Jugendeinrichtungen?

Wieder: Rund um die Ausstellung gibt es 20 Veranstaltungen und viele Gottesdienste. Für Schulen bieten wir Führungen an und besondere Aktionen.

Zum Beispiel?

Wieder: Es gibt eine Veranstaltung, die sich gezielt an die Jugendarbeit und die Jugendlichen selbst wendet: Am 12. März wird in der Erlöserkirche der Film „Alltagsrassismus“ des Wuppertaler Medienprojektes gezeigt.

Wo kann man sich noch informieren?

Wieder: Viele Infos rund um die Ausstellung und das Rahmenprogramm gibt es auf der Homepage des Kirchenkreises.

Termin

Im Rahmen der Ausstellung ist der aus Wuppertal stammende Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, und der Jurist Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler zu Gast im Gespräch mit Antonia Dicken-Begrich, der Vorsitzenden des Trägervereins der Begegnungsstätte Alte Synagoge. Der Jurist Mehmet Gürcan Daimagüler war einer der Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess und in dieser Funktion häufig Gesprächspartner in deutschen und türkischen Medien.

Eine telefonische Anmeldung unter 563-2843 ist erforderlich.

 

Interview: Claudia Kasemann/Duenow/ör-tp, in der WZ am 29.01.2020 erschienen.

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